Participating artists – 2016

Taus Makhacheva (RU) | Center Circle
As a Russian citizen with origins in the Avar ethnic group of the Republic of Dagestan, Taus Makhacheva has developed a performance-based practice that questions traditional forms of history-making as well as cultural and gender norms. Working predominantly with video and photography, Makhacheva adopts a humorous criticality to everyday life in an attempt to reconcile the contemporary with the nostalgic, the local with the global and tradition with progress.

Taus Makhacheva stammt aus der russischen Republik Dagestan im Kaukasus. Ihr Interesse für die komplexe Beziehung zwischen Geschichte, Gegenwart und Erinnerung hängt mit der Geschichte des Landes zusammen und bildet den Ausgangspunkt vieler ihrer Werke. Mittels ihres bevorzugten Mediums Video, aber auch in Fotografien, Installationen und Objekten, untersucht und reflektiert sie Motive und Begriffe der Kunstgeschichte, der Anthropologie und Kulturwissenschaften.

Tetsuya Umeda (JP) | Center Circle
Born in Kumamoto, Japan in 1980, Umeda Tetsuya studied in Osaka, where he is based today. From capturing environments, architectural structures, sound, light and human behaviour, the source of his work ranges widely. Working actively both in and outside Japan, Umeda remodels installations out of daily products and engages viewers with his interactive performance pieces.

Tetsuya Umeda ist ein alchemistischer Zauberer, ein Tüftler, ein kinetischer Klangkünstler; Wasser, Feuer, Trockeneis, einen Bunsenbrenner, ein paar Konservendosen, ausgediente Haushaltsgegenstände und einen Raum, auf den er reagieren kann, mehr braucht der Künstler nicht, um seine experimentellen, immer wieder überraschenden Installationen zu realisieren. „Ich beobachte, das ist alles“, sagt er selbst über seine Arbeit. In seinen vor Ort und für den Ort entstehenden Performances reagiert er auf das, was er vorfindet, und kreiert aus Licht, Tönen und Kinetik wunderwitzige, atmosphärische Raumskulpturen, mit denen er auf der Basis einfacher physikalischer Phänomene Zeit hörbar und sichtbar macht.

Christine Maigne (FR) | Center Screen
Christine Maigne develops series of organic hairy bumps or spots that feed off the white. Her fictions of sprouting take place indoors («Implants», «Eruptions»..) or outdoors («Vegetable garden», «Eclosion»), as permanent public work or short-lived installation in Europe or Canada.

Der kalte, weiße Bildschirm scheint sich zu Bewegen und zu Atmen. White Hole wird geboren, es lebt, und auf heimtückische Weise verliert es seine geometrische Form und ist abwechselnd Beule, oder Loch. Die animierten organischen weißen Formen schaffen eine seltsame Materialität auf dem strukturierten Schnee-Bildschirm. Die Illusion einer Bewegung atmet zwischen Realität und Fiktion.

Denis Beaubois (AU) | Center Screen
Denis Beaubois was born in Mauritius and lives in Sydney. His work has addressed various thematics including that of migration, surveillance, and economics. He has exhibited widely including the TATE Modern, San Francisco MOMA and the Australian Museum of Contemporary Art.

Constant hinterfragt die Art und Weise wie ethnische Merkmale wahrgenommen und interpretiert werden; vor Allem im Bezug auf Augenzeugenberichten. Diese Arbeit fand ihren Anstoß in Folge von Gesprächen des Künstlers mit Dr. Richard Kemp und Helen Patterson an der Forensischen Psychologie Abteilung der Universität von New South Wales. Die Subjekte in Constant fesseln den Beschauer in dem sie ohne zu zwinkern in die Kamera blicken. 13 Gesichter und 12987 zusammengesetzte Bilder werden mit Hilfe des Computers verschmolzen. Die gezeigte Figur verändert seine Ethnie scheinbar unmerklich alle 40 Sekunden.

Roberta Orlando (IT) | Center Screen
Roberta Orlando develops her artistic research through video, photography, performance and sound. A big part of her works are dedicated to social, cultural, environmental and political issues, human rights and equality in particular. She works with visual and performative arts in Europe and USA.

As We Use to Be zeigt Kommunikation von Körpern und deren Kontrast durch Form und Atem. Die Ansicht erlaubt nur einen kleinen Ausschnitt der Szene und suggeriert dadurch ein neugieriges und voyeuristisches Auge. Der Ton von zwei Körpern lebt zwischen dem Träger und der körperlichen Ausdauer der eigenen Fusion. Eine Darstellung von Gleichgewicht und Rhythmus innerhalb von sich immerwährend in Bewegung befindenden Beziehungen. Zwei Körper haben zwei Bedürfnisse: das andere und das eigene. Ohne jede Anerkennung des Geschlechts.

Anna Vasof (GR/AT) | Space A
Anna Vasof is an architect and media artist. She’s currently working on designing and building mechanisms for producing critical and narrative videos, actions and installations.

Raum und Temperatur sind zwei der wichtigsten Faktoren die unsere Zeitwahrnehmung steuern. Icetimer ist eine Installation die verschiedene – von Menschen entwickelte – Zeitvorstellungen misst. Vasof legt dabei ihr Augenmerk auf die tiefen Temperaturen und den Raum. Der Beschauer sieht ein Instrument das einer Sanduhr ähnelt, aber anstelle von Sand, wird hier in Wassertropfen gemessen. Durch die Positionierung im Außenraum und mithilfe der Kälte wird hier die Zeit eingefroren – und keine Messung findet statt. Icetimer wird nur aktiviert, wenn eine Wärmequelle das Instrument erhitzt und das Eis verflüssigt. Dieser Prozess der Schmelze wird wiederum nur durch einen davorstehenden Menschen in Gang gesetzt.

Hyeji Woo & Tim Shaw (KR/GB) | Space D
Tim Shaw’s work explores the materiality of sound. Working with electro-acoustic technologies, soundsynthesis and digitally driven techniques, he creates site responsive installations, musical instruments and performance systems. Shaw is currently studying a PhD at Culture Lab, Newcastle University. Hyeji Woo is London-based Korean visual artist. In her practice, she mainly addresses the chaos and conflict of energy, and the relationship between the disorder of entropy and human routine. She recently graduated from Central Saint Martins and she is a recipient of Red Mansion Art Prize 2015.

Lack untersucht die Vergänglichkeit und Transformation von Materialien im Laufe der Zeit. Unter Verwendung von Licht und Ton verbindet diese Installation das Schmelzen von Eis und Schnee mit analoger Projektion und Klangverstärkung um einen lebendige Raum zu schaffen. Die Vergänglichkeit von Eis und seine Verwandlung zu Wasser wird visuell verstärkt. Das Knarren des schmelzenden Eises, das vielschichtige Tropfen von Wasser und das Brummen der Overhead-Projektoren speist drei Lautsprecher, welche die Projektionsfläche beschallen. Eis und Ton werden als vergängliche Materialien dargestellt, als Bestandteile eines Gesprächs, beide im Wandel und sich simultan Verändernd.

Idan Hayosh (IL/RO) | Space F
Idan Hayosh was born in Tel-Aviv, he lives and works in Essen and Berlin.

Die geträumte Frühlingswiese zeichnet eine diffuse Grenze zwischen Erhaltung und Wiederbelebungs-Kampf. Freigelegt inmitten der weißen Landschaft, mit präziser Geometrie arbeitend, erzeugt Spring #2 eine unweigerliche Spannung. Die Arbeiten von Idan Hayosh brauchen keine Erklärung, keine Kontextualisierungen, keine kunsthistorischen Referenzen. Sie sind einfach da. Unübersehbar. Unüberhörbar. Man kann ihnen nicht entfliehen.

Julieanna Preston (NZ) | Space H
Dr Julieanna Preston is an architectural designer and spatial artist probing the performative agency of materials through the mediums of creative work and a performance writing practice. She is a Professor of Spatial Practice in the College of Creative Arts, Massey University, Wellington, New Zealand.

Späne werden gesammelt, ein Feuer wird entfacht, genährt und bewerkstelligt. Auf den ersten Blick erscheint diese Arbeit nur als einfacher Bau und Pflege einer Feuerstelle in der kalten und schneebeladenen Umgebung. Jedoch werden durch diese simple Intervention mehrere soziale Modalitäten aktiviert und widergespiegelt. Inmitten der Extreme entsteht eine thermische und räumliche Dynamik in welcher ethische Dimensionen wie Gastfreundschaft oder gegenseitige Fürsorge, durch die Ausschank von heißen Getränken und dem Angebot eines erwärmenden Raums, verstärkt wahrgenommen werden. Die Künstlerin stellt die Frage ob solche Methoden und Werte tief greifende Auswirkungen auf die menschliche Besiedlung haben können. Am Ende erlischt das Feuer und ruht im äschernden Zustand in der weißen Landschaft.

Leanne Wijnsma (NL) | Space C
Leanne Wijnsma’s work follows an urgency to reflect on the human condition using design as a tool for research and experience. She questions the relationship of freedom and technology through smell experiments and soil performances in a search for the instinctual. Her concern, can we still get lost?

Escape ist eine Arbeit ausgelöst durch die Paradoxie der Freiheit. Eine Reaktion auf eine Welt in der alles möglich scheint, in der wir immer verbunden sind, immer verfügbar. Der Akt des Grabens ist die Beanspruchung eines Grundrechtes; dem Grundrecht entfliehen zu können und sich von dieser Welt zu verabschieden. Der gegrabene Fluchttunnel führt allerdings nicht in die Freiheit, stattdessen endet er nur wenige Meter von seinem Ausgangsort. Es ist vor allem die Entscheidung zu Graben welche in die angestrebte Freiheit führt.

Leonhard Müllner & Jakub Vrba (AT/CZ) | Space B
Leonhard Müllner was born 1987 in Graz, Austria, lives and works in Vienna as a fine artist. He has studied Fine Art in Linz, Video and Video Installation at the Academy of Fine Arts in Vienna and Media Art at the HGB Leipzig. His projects are interdisciplinarian, conceptual and most times research-based. Jakub Vrba born 1985 in Karlovy Vary/Karlsbad, Czechoslovak Socialist Republic is a visual artist currently residing in Vienna, Austria. 2009 he married Ana de Almeida in Las Vegas.

In einem Glashaus explodiert ein Feuerwerk. Anstelle von Pflanzen sprießen sekundenschnell bunte Tentakel hervor, die sich sofort wieder in Rauch auflösen. Nicht in der Weite des Himmels, sondern isoliert im Gewächshaus tobt der Raketenrausch. Die Kraft des Bildes entsteht nicht in der ausgedehnten Entfaltung als vielmehr in seiner räumlichen Eingegrenztheit. Die Flachau, seit dem frühen Mittelalter ein Ort der Eisenverhüttung, verlor seine diesbezügliche Identität 1866, als die Hochöfen zuletzt das Erz zur Schmelze brachten. Die Arbeit FIZZ! WHIZZ! BUM! bringt das lodernde Element zurück nach Flachau, wie in einem Hochofen wird es in einem Glashaus gezähmt.

Moradavaga (Manfred Eccli and Pedro Cavaco Leitão) (IT/PT) | Space E
Moradavaga is a collective born from the collaboration of architects Manfred Eccli (Bozen, Italy, 1981) and Pedro Cavaco Leitão (Porto, Portugal, 1976). The scope of its activity lies now in the creation of “performative objects”, by the intersection in between architecture, art and design.

GEO|METER reflektiert das Verhältnis zwischen Mensch und Natur. Die Arbeit thematisiert den menschlichen Drang sich seine Umgebung in jeder erdenklichen Art und Weise zu unterwerfen. Orientierung und Desorientierung im Zusammenspiel mit der Veränderung von Perspektiven und Maßstab nehmen die essentielle Rolle in diesem Machtspiel ein. Die Arbeit durchwandert drei unterschiedliche Akte, welche die Inszenierung mit Hilfe von wechselnder Geometrie, Farbe und Verbrennung verstärkt.

On Transitions Collective (Jozefien Beckers, Nina Vobruba, Inna Krasnoper, Lena Kienzer) (BE/AT/RU/DE) | ortsungebunden
On Transitions is a loose collective, consisting of dancers and visual artists. It´s an ongoing interdisciplinary laboratory, that found its origin in 2013. It seeks a confrontation and correlation between humans with landscape, weather and time.

Die Akteure transformieren sich in Tracing Landscapes zu einem empfänglichen und beschreibenden Instrument im Dialog mit der Oberfläche und Struktur der Landschaft. Aus vier Körpern gebildet, handelt es sich dabei nicht um eine voneinander getrennte Konstruktion, sondern um ein komplexes Gebilde mit in sich ständig wechselnder Form, variabel wie das Wetter; vergleichbar mit dem transformativen Prozess einer Landschaft mit ihrer inhärenten multiplen Zeitskala. “Die Gegenwart ist durch die akkumulierten Spuren der Vergangenheit gezeichnet; und die Zukunft am Planeten Erde wird Abdrücke unserer Gegenwart tragen.” Heather Davis, Landschaften des Anthropozän.

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Paul Wiersbinski (supported by Hanna Hildebrand) (DE) | Space G
Paul Wiersbinski is an artist and writer from Berlin. His  projects refer to the history of performance and video art. The result of his artistic process is presented in various forms and mediums, often taking the shape of complex sets and installations.

Biggest Snowball Ever nimmt ein Zitat des Französischen Philosophen Alain Badiou als Ausgangspunkt. Darin erklärt Badiou, dass „…..die Sprache des Geldes eine Sprache sei, die vorgibt keine Grenzen zu kennen (…) und wenn die Sprache vorgibt keine Grenzen zu haben, dann ist es als ob die Welt keine Grenzen hätte; sie verschmilzt.” Der Künstler Wiersbinski startet selbst den Versuch einer grenzbrechenden Leistung, die während der gesamten Dauer des Festivals durchgeführt wird: eine öffentliche Aufforderung den aktuellen Weltrekord zum Bau des größten Schneeballs der Welt zu brechen.